Das dicke Buch ist natürlich als Feldführer nicht zu gebrauchen, und so kam ein paar Jahre später mit aktualisierter Taxonomie eine abgespeckte englische Version des Buches auf dem Markt, welches sich ausschließlich der Bestimmung der einzelnen Arten widmet. Jetzt ist auch die deutsche Übersetzung beim Kosmos Verlag erhältlich.
Nach einer ausführlichen und sehr lesenswerten Einführung in die Greifvogelbestimmung werden noch kurz interessante Themen wie Greifvogelzug und Geschlechtsunterschiede bei Greifvögeln behandelt. Auch Themen wie Taxonomie, Nomenklatur und deutsche Greifvogelnamen findet man in dem grundlegenden Kapitel.
Die Taxonomie ist relativ aktuell. So wird der früher dem Schreiadler zugerechnete Gangesadler bereits als eigene Art betrachtet. Natürlich kann ein Buch immer nur eine Momentaufnahme der aktuellen Taxonomie-Diskussion sein. Zwergadler und Habichtsadler werden noch in der Gattung “Hieraaetus” geführt, während andere Quellen diese Arten bereits unter “Aquila” führen. Die Taxonomie vieler Greifvögel ist immer noch im Umbruch, und kein Buch kann hier lange aktuell sein.
Der Bestimmungsteil ist sehr gut. Es fällt auf, dass unterschiedliche Künstler an den Zeichnungen gearbeitet haben. Trotzdem sind die Zeichnungen meiner Meinung nach alle gut bis sehr gut. Alle Arten sind stehend und im Flug abgebildet. Die Bestimmungstexte sind knapp aber detailliert. Bei einigen schwierigen Arten wie Schell-, Ganges- und Schreiadler wird man aber trotzdem oft noch speziellere Literatur zu Rate ziehen müssen.
Lobenswert ist, dass neben den deutschen Artnamen auch gleich die englischen mit angegeben werden. Diese hatten in den letzten Jahren oft mehr Bestand als die wissenschaftlichen. Für wen ist das Buch geeignet? Wer Greifvögel bestimmen möchte, aber sich auf Europa spezialisiert, braucht das Buch nicht unbedingt, wird es aber es schätzen, es trotzdem im Regal zu haben.
Die spezialisierten Greifvögel Bücher von Clark (A Field Guide to the Raptors of Europe, the Middle East, and North Africa) und Forsman (The Raptors of Europe and the Middle East: A Handbook of Field Identification) oder das deutsche Werk von Gensbol/Thiede (Greifvögel: Alle europäischen Arten, Bestimmungsmerkmale, Flugbilder, Biologie, Verbreitung, Gefährdung, Bestandsentwicklung) haben ausführlichere Informationen zu den europäischen Arten als sie das hier besprochene Werk liefern kann (ohne über 2.000 Seiten dick zu sein).
Für einige andere Regionen der Erde wie Südamerika, Südostasien bietet “Die Greifvögel der Welt” mehr Infos als die meisten Bestimmungsbücher und ist schon allein deshalb empfehlenswert.
Jedem ernsthaft an Greifvögeln Interessierten kann das Buch uneingeschränkt empfohlen werden. Den Autoren ist hier ein großer Wurf gelungen, und die deutsche Übersetzung überzeugt. Die einzige Alternative wäre die umfangreichere englische Ausgabe von 2001, welche auch viele Details zur Biologie der einzelnen Arten enthält.
Markus Jais
Greifvögel der Welt James Ferguson-Lees David Christie
338 Arten, über 2100 Farbzeichnungen 320 Seiten 2.230 Abbildungen laminierter Pappband 24 x 16,5 cm (LxB)
34,90 EUR [D]
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