Das Buch von Wimmer und Zahner fasst den aktuellen Forschungsstand über Spechte zusammen und berichtet in einer sprachlich sehr gut verständlichen Form über viele neue Erkenntnisse der Spechtforschung.
Einige Beispiele: Brüten hat in einer Höhle hat in erster Linie den Vorteil, dass die Vögel vor den Nachstellungen durch Beutegreifer deutlich besser geschützt sind als Freibrüter. Wussten Sie aber, dass es im unteren Teil einer Baumhöhle häufig zu einem so genannten Sauerstoffloch kommt und die Spechte deshalb eine besonders kurze Brutzeit haben?
Trotz der erstaunlichen anatomischen Anpassungen, welche das Holzhacken und Klopfen ermöglichen, bauen die Spechte ihre Höhlen oft nicht allein aus eigener Kraft. Bei gesunden Bäumen wird vielmehr zunächst ein sogenannter Initialbau angelegt. Dabei wird der Baumstamm an einer geeigneten Stelle so bearbeitet, dass Feuchtigkeit und Baumpilze eindringen können. Die Pilze übernehmen dann die weitere Arbeit und weichen das Holz solange auf, bis der Specht es leichter hat, den Höhlenbau zu vollenden. Um all die so angelegten Initialhöhlen und auch Nahrungsplätze wiederzufinden, bedarf es eines ausgeprägten Ortgedächtnisses. Dieses ist nach den Autoren ein Grund für das relativ große Gehirn der Spechte. Sie belegen auf einer Rangliste der geistigen Fähigkeiten von Vögeln immerhin den vierten Platz.
Insbesondere Bunt- und Schwarzspecht gelten als Wohnungsschaffende für viele andere „Nachmieter“. Die Autoren nennen insgesamt 56 Tierarten als Folgenutzer. Darunter ist übrigens auch der Mauersegler, dessen ursprüngliche Behausung in Baumhöhlen unserer europäischen Wälder lag. Die Autoren betonen deshalb folgerichtig, wie wichtig es nicht nur für die Spechte ist, ausreichend viele alte Bäume mit starkem Stammdurchmesser stehen zu lassen und abgestorbene Bäume und Totholz zumindest teilweise im Wald zu belassen. Sie betonen zu Recht: Wer Spechte und die von Ihnen abhängigen anderen Vögel und Säugetiere schützen möchte, muss beim Baumschutz anfangen. Dies gilt besonders in einer Zeit, in welcher die Nachfrage nach einheimischem Holz sprunghaft angestiegen ist.
Wer sich für die nimmermüden Zimmerleute des Waldes interessiert, kommt an diesem sorgfältig recherchierten und zugleich ästhetisch gestalteten Buch nicht vorbei. Das alterungsbeständige helle Papier, die Fadenheftung und ein großes quadratisches Format, bei dem die vielen hochwertigen Farbfotos gut zur Geltung kommen, passen ausgezeichnet zum gehaltvollen und spannend zu lesenden Inhalt.
Spechte Ein Leben in der Vertikalen von Norbert Wimmer und Volker Zahner 112 S., zahlreiche farbige Abbildungen Hardcover gebunden, 24,5 x 23 cm. G. Braun Buchverlag Leinfelden-Echterdingen 2010. ISBN 978-3-7650-8526-0 EUR 27,90 |