Gerade im Frühjahr stellen sich viele mit den Stimmen der Vögel noch unvertraute Vogelfreunde die Frage, wie sie die verschiedenen Arten anhand ihrer Gesänge und Lautäußerungen unterscheiden können. Wenn man auf diesem Gebiet nur wenig Erfahrung hat, wird man angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Vogelstimmen an einem sonnigen Frühlingsmorgen förmlich erschlagen. Wie man systematisch seine Kenntnisse erweitern kann, das wäre einen eigenen Artikel wert. Hier möchte ich Ihnen aber einen sehr geeigneten Baustein dafür vorstellen.
Vielleicht hatten Sie schon einmal das Glück an einer Vogelführung teilzunehmen, die von einem erfahrenen Ornithologen, meist der älteren Generation geleitet wurde, der noch den einen oder anderen Merkspruch für den Gesang einer Vogelart wusste. Viele dieser Sprüche beschreiben auf oft humorvolle Weise und meist recht treffend die besondere Eigenart von typischen Gesangselementen unserer bekanntesten einheimischen Vögel. Bekannte Klassiker wären etwa „Wie, wie, habe ich dich lieb!“ für die Goldammer oder „Ich, ich hätte gern ein Würzigbier!“ für den Buchfink. Der Autor listet ganze Gedichte zu manchen Arten auf. Manches davon ist auch mundartlich geprägt und so hat jede Landschaft in Deutschland seit alter Zeit ihre eigenen Sprüche und Verse. Vergleicht man diese Sprüche mit den Beschreibungen der Lautäußerungen, wie sich in der aktuellen Bestimmungsliteratur findet, fällt sofort auf, dass man sich letztere nur sehr schwer merken kann. Beispiel Goldammer: „zi-zi-zi-zi-zi-zi-zi-zi-zi düüh". Neben ihrem sprachgeschichtlichen und volkskundlichen Wert besteht der Hauptnutzen dieser Merkverssammlung für den Vogelfreund also darin, dass sie das unterstützen, was man neudeutsch als „Memotechnik“, die Gedächtniskunst, bezeichnet. Im Buch werden immerhin 122 Arten beschrieben. Pro Art finden sich meist mehrere verschiedenen Verse. Allein beim Buchfink sind es z.B. über 40.
Klaus Philipp hat die Verse nun nicht nur einfach gesammelt und aufgelistet. Er hat sie eingebettet in ein selbst entwickeltes Konzept zum systematischen Erlernen einheimischer Vogelstimmen. Über einen Zeitraum von drei Jahren wird der Leser behutsam an das Erlernen der einzelnen Arten nach ihrem jahreszeitlichen Erscheinen und mit steigendem Schwierigkeitsgrad herangeführt. Immer wieder gibt der Autor weitere ergänzende Informationen aus seinem eigenen reichhaltigen Erfahrungsschatz hinzu. Die Leser des Buches sind aufgefordert, dem Autor weitere Verse zuzusenden.
Dieses Buch liefert einen alternativen Zugang zum Thema und sei jedem, der sich Kenntnisse über Vogelstimmen aneignen will, als wertvolle Ergänzung zu gängiger Bestimmungsliteratur und Tonaufnahmen wärmstens empfohlen.
BESTELLEN bei Naturbücher-online.de Vogelstimmen an Volksmundversen erkennen von Klaus Philipp 126 S, Abbildungen in Schwarzweiß. Broschur, 21 x 15 cm. Fauna Verlag 3. Auflage, Nottuln 2004. ISBN 3-935980-14-0 EUR 14,95 |