** Ohne Konkurrenz: Kompendium der Vögel Mitteleuropas
Eines gleich vorweg: Trotz einiger Mängel ist das Kompendium eine grundlegende Informationsquelle für alle, die ihr Wissen über die Vögel über das Stadium des Einsteigers hinaus vertiefen wollen. Wer verlässliche Informationen über Auftreten, Lebensraum, Mauser, Verbreitung sucht, kommt an dem Kompendium nicht vorbei. Es sei denn, er ist bereit, die zahlreichen Monographien, in denen jeweils nur eine Vogelart oder eine Familie behandelt wird, zu sammeln. Ein Kompendium soll aber vom Wortsinn her eine Ersparnis, eine Abkürzung sein, und von daher ist das vorliegende Kompendium der Vögel Mitteleuropas Handbuch und Zusammenfassung zugleich. 

Es handelt sich um die dreibändige Neuausgabe der Erstausgabe von 1993 beziehungsweise 1985, ergänzt um die aktualisierten Inhalte des Buches "Die Brutvögel Mitteleuropas, Bestand und Gefährdung", das 1996 erschien. Neben Verbreitungsänderungen und dem derzeitigen nationalen und internationalen Schutzstatus fand die aktuelle taxonomische Systematik Anwendung.

Es handelt sich, dies Einsteigern zur Warnung, nicht um ein Bestimmungsbuch, und auch sein Gewicht ist wenig "feldfreundlich". Aber es ist ein Nachschlagewerk für den, der es ein wenig genauer wissen will, als es Svensson oder Barthel in der Kürze der Bestimmungsbücher sagen können.

Der Untertitel schildert kurz und knapp, was den Leser erwartet "Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz". Auf über 1700 Seiten werden etwa 230 Singvogel- und etwa 370 Nichtsingvogelarten beschrieben. Für jede Art werden Angaben zu folgenden Bereichen gemacht: Taxonomie, Kennzeichen, Maße, Status, Verbreitung und Bestand, Wanderungen, Bestandsentwicklung, Siedlungsdichte, Gefährdungsursachen, Schutzmaßnahmen, Biotop, Nahrung, Stimme, Verhalten, Fortpflanzung und Brutbiologie, Eimaße und -gewichte, Alter und Sterblichkeit und Mauser.

Zusätzlich führt das Kompendium noch 250 Vogelarten als so genannte "Neozoen" auf, also selten auftretende oder in Europa schon etablierte Exoten. In einem besonderen Band werden mehr als 4200 Literaturangaben geboten, die die Möglichkeit zum tieferen Studium einzelner Aspekte bieten. Hier findet sich auch ein achtsprachiges Vogelwörterbuch. Die anderen Bände behandeln jeweils die Singvögel beziehungsweise eben die Nicht-Singvögel.

Kommen wir zu den Mängeln: Die blauen Miniaturen oberhalb des Satzspiegels sind mehr verwirrend als nützlich. Man befindet sich im Artikel Goldregenpfeifer und als "Leitbild" wird ein Kiebitz zur Orientierung geboten. Abgesehen davon, dass dieser mit seinem Kopfschmuck nicht gerade ein typischer Regenpfeifer ist, könnte man sich vielleicht daran gewöhnen, wenn nicht einige Seiten weiter dann ein Flussregepfeifer den Leser durch die weiteren Regepfeiferarten leitet und auch den Mornellregenpfeifer anzeigen soll. Mehr Übersicht als in der ersten Auflage schaffen zu wollen, ist ein lobenswertes Vorhaben, was hier leider misslungen ist.
Auch in den Verbreitungskarten scheinen sich Fehler eingeschlichen zu haben. Ein erstes Durchsehen, lässt zum Beispiel die Insel Helgoland, für einige Hochseevögel der einzige Brutplatz in Mitteleuropa, vermissen. Die Vermutung liegt nahe, dass dies nicht die einzigen Fehler sind.  

 

Trotz dieser Mängel ist das Kompendium eine grundlegende und sehr brauchbare und zudem konkurrenzlose Informationsquelle für alle, die ob Journalist, Lehrer, Forscher, Naturschützer, Gelegenheits-beobachter oder Avifaunist in knapper Form und schnell bestimmte Fakten über unsere Vogelwelt suchen.

Thomas Griesohn-Pflieger

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Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas.
Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz
Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel, Wolfgang Fiedler
3 Bände,1600 S, gebunden, 21 x 15 cm.
Aula Verlag
2. Auflage, Wiesbaden 2005.
ISBN 3891046960
EUR 128,-

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