Wir erinnern uns: In den Achtzigern ging ein Gespenst durch Europa, das Waldsterben hieß. Nur noch wenige Jahre, so hieß es blieben uns um den Wald zu retten. Ende des Jahrhunderts sei sein Ende gekommen. "Waldschadensberichte" dominierten nun die Titelseiten der Zeitungen. Und heute ist der Wald so grün wie lange nicht und macht den Naturschützern vielerorts Sorgen, die mit dem Entbuschen ncht mehr nachkommen und froh sind, wenn Auerochsen, Ziegen und Konik-Pferde bei der Waldverhinderung helfen. Am Amazonas sieht das freilich anders aus...
Hier ein Auszug aus einem Interview mit Josef A. Reichholf, der immer wieder versucht, die Klimakatastrophler vom Kopf auf die Füße zu stellen. Sehr empfehlenswert sein Buch "Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends" (S. Fischer, 2007) und wo wir gerade dabei sind, unbedingt lesenswert: Dirk Maxeiner: "Hurra, wir retten die Welt! Wie Politik und Medien mit der Klimaforschung umspringen".(wjs, 2007)
Wen es interessiert, hier ist der ganze Text des Reichholf-Interviews bei Bild der Wisenschaft:
bdw: Vor Kurzem haben Sie über die Medien einen Streit mit Professor Stefan Rahmstorf über die Folgen des Klimawandels ausgefochten. Sie sind – im Gegensatz zu Rahmstorf – der Auf- fassung, dass eine gemäßigte Erwärmung nicht zwangsläufig zu einer Bedrohung der Natur führt, sondern sogar Perspektiven eröffnet. Was haben Sie aus diesem Disput gelernt? REICHHOLF: Erstens, dass man sich eine kritische Position zum Mainstream nur leisten kann, wenn man selbst nicht mehr auf Forschungsmittel schielen muss. Und zweitens vor allem, dass keineswegs immer der seriöse Weg eingeschlagen wird, wenn es um politische Positionen in der Wissenschaft geht. Herr Rahmstorf hat mich und andere Kritiker mit persönlichen Angriffen öffentlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in anderen Medien zu diskreditieren versucht. Es ging ihm darum, skeptische Journalisten und Wissenschaftler zum Schweigen zu bringen, die seine politischen Strategien gefährden könnten. Mir haben Rahmstorfs Angriffe jedoch so viel öffentliche Aufmerksamkeit und viele Einladungen zu Vorträgen und Diskussionen eingebracht, dass ich ihm nachgerade dankbar bin.
bdw: Ich habe Herrn Rahmstorf als streitbaren, gleichwohl aber auch als entgegenkommenden Wissenschaftler kennengelernt. Ihr Eindruck ist offenbar ein anderer. REICHHOLF: Das mag daran liegen, dass er Medien wie bild der wissenschaft braucht, wenn – wie zurzeit – seine Ansichten auf breiter Front in Zweifel gezogen werden.
bdw: Mit Ihrer Ansicht, dass der Klimawandel zunächst einmal keine Gefahr für die Artenvielfalt bedeutet, stehen Sie abseits der herrschenden Lehrmeinung. Fühlen Sie sich dabei als einsamer Wolf? REICHHOLF: Ganz und gar nicht, denn ich gehe von Befunden und nicht von Befürchtungen aus. Eine der interessantesten Erfahrungen der Auseinandersetzung mit Rahmstorf war, dass die Mehrheit meiner Kolleginnen und Kollegen der unabhängigen Wissenschaft die Lage ganz ähnlich wie ich einschätzt. Es ist eine Minderheit, die die öffentliche Meinung dominiert und so die politischen Richtlinien prägt. Der Mainstream wird erst über die Medien erzeugt. So glaubt zum Beispiel kein einziger der Kollegen in der Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften den klimatischen Weltuntergangsszenarien. Doch für die Symposien der neutralen Bayerischen Akademie der Wissenschaften interessierte sich weder die überregionale Presse noch das bayerische Umweltministerium.
bdw: Soll das heißen, dass die jetzige Situation der Klimaforschung vergleichbar ist mit der Waldforschung Anfang der Achtzigerjahre, als nur jene Wissenschaftler medial wahrgenommen wurden, die erklärten, der deutsche Wald stürbe bis zum Ende des 20. Jahrhunderts? REICHHOLF: Genau dies trifft zu. Denn auch damals wurde gegen diejenigen, die eine kritische Haltung einnahmen und vor einer Hysterie warnten, ein Kesseltreiben veranstaltet. Und obwohl der deutsche Wald heute grüner und stärker dasteht als zu Beginn des „Waldsterbens“, wurden die Skeptiker bis heute nicht rehabilitiert.
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