Zebrafinken brüten in Kolonien, wobei jedes Paar für seinen eigenen Nachwuchs sorgt. Innerartlicher Brutparasitimus, also Kuckucksverhalten unter Zebrafinken, ist jedoch sowohl unter frei lebenden Zebrafinken in Australien als auch in Volierenzuchten erstaunlich häufig. Forscher am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben mit genetischen Methoden die Elternschaften aller Eier in Volierenkolonien untersucht und entdeckt, dass jedes 20. Ei ein Kuckucksei war. Dabei waren es meist dieselben Weibchen, die sich darauf spezialisiert hatten, einen Teil ihrer Aufzuchtsarbeit anderen Paaren zu überlassen. Interessanterweise kombinierten sie aber stets den Brutparasitismus mit eigener Jungenaufzucht - reine "Kuckucke" gab es also nicht.
Die "Kuckucks-Zebrafinken" müssen für die Eiablage im fremden Nest genau den richtigen Moment abpassen: Das Brüten startet meist gleich nach der Ablage des ersten oder zweiten Eies. Sitzen die Eltern erst einmal auf ihrem Nest, ist es kaum mehr möglich, ihnen ein Kuckucksei unterzuschieben. Zu früh darf das Weibchen sein Ei aber auch nicht in das vorbereitete Nest der Wirtseltern legen. Sonst besteht die Gefahr, dass diese ihr Nest aufgeben. In der Voliere konnten die Forscher die zeitliche Abfolge des Eierlegens gut beobachten. Tatsächlich: "Die meisten Kuckuckseier tauchten kurz vor dem Bebrütungsbeginn im Nest der Wirtseltern auf", sagt Holger Schielzeth, Erstautor der Studie. "Das zeigt, dass die "Kuckucks"-Weibchen gezielt vorgehen und den Brutbeginn bei den Nachbarn gut im Blick haben." Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass "Kuckucks"-Weibchen bestimmte Wirtspaare bevorzugt hätten. Eher im Gegenteil: Sie waren nur selten wiederholt betroffen. Das deutet darauf hin, dass sich die Wirtspaare zu wehren lernen.
Die "Kuckucks"-Weibchen legten zumeist gleich mehrere Eier in andere Nester, allerdings fast immer nur eines pro Nest und stets bevor sie mit der Bebrütung eines eigenen Geleges anfingen. Jedoch ist die Kuckucksstrategie nicht so Erfolg versprechend, wie sie klingen mag. "Nur ungefähr ein Drittel der Eier wird letztlich von den Wirtseltern bebrütet", sagt Holger Schielzeth. "Weibchen, die eigene Nachwuchsaufzucht und Brutparasitismus miteinander kombinieren, legen zwar insgesamt mehr Eier, haben aber nicht viel mehr Jungvögel als Weibchen, die nur eigene Nachwuchsaufzucht betreiben." Wenn die Strategie besser funktionieren würde, hätten sich wohl auch reine Kuckucksspezialisten unter den Zebrafinken heraus gebildet.
[HS/SP]
Originalveröffentlichung: Holger Schielzeth and Elisabeth Bolund Patterns of conspecific brood parasitism in zebra finches Animal behaviour. Veröffentlicht am 15.04.2010 (DOI: 10.1016/j.anbehav.2010.03.006) |