Ornitho und naturgucker - ein Vergleich

birdnet.de hat sich das neue System zur "Erfassung von ornithologischen Zufallsbeobachtungen" mal genauer angeschaut und versucht, einen objektiven Vergleich in Tabellenform zu erstellen.
Meine subjektive Einschätzung möchte ich aber auch loswerden. Wer diese nicht lesen will, kommt hier direkt zur Tabelle.

Um es gleich zu sagen, ich bleibe bei naturgucker. Drei Gründe sind mir neben vielen Kleinigkeiten besonders wichtig zu erwähnen:
1. Ich kann bei naturgucker alle meine Beobachtungen eingeben. Vögel, Säuger, Wanzen, Käfer, Libellen, Pflanzen und so weiter.
2. Ich kann meine Reisebeobachtungen weltweit (!) in naturgucker eingeben, pflegen und auswerten!
3. Ich kann meine Beobachtungsgebiete auf den Meter genau eingrenzen, kann sie beschreiben und ihre Entwicklung dokumentieren.

Negativ an ornitho.de fällt mir auf, dass Bewegungsprofile der Nutzer möglich sind, denn die Bilder in der Galerie können nach Nutzern selektiert werdenDasermöglicht es, ein Freizeit-Bewegungsprofil zu erstellen, wenn ein Nutzer viele Fotos hoch geladen hat.

Anzeige von eMail-Adressen
eMail-Adressen von Beobachtern werden anderen Nutzern offen angezeigt. Dies geschieht zwar mit Zustimmung des Nutzers, trotzdem können sie so eingesammelt werden.

Nachfragen teilweise unmöglich
Wenn ein Nutzer dem offenen Anzeigen seiner eMail-Adresse nicht zustimmt, kann er von anderen Beobachtern nicht kontaktiert werden. In diesen Fällen ist dann ein Hinterfragen von Beobachtungen durch andere Beobachter als sinnvolle Ergänzung zu den sicherlich nicht allwissenden Regionalkoordinatoren unmöglich. Das Problem könnte man, wie bei naturgucker, durch ein systeminternes Kommunikationssystem lösen.

Keine Gebietsgrenzen
Für Beobachtungsgebiete gibt es auf der Karte keine sichtbaren Gebietsgrenzen. Es bleibt offen, welche tatsächlichen Beobachtungspunkte ein möglicherweise sogar gebietsfremder Beobachter dem ausgewählten Gebietsnamen zuordnet.
Zudem kommen sich Beobachtungsgebiete auch gegenseitig ins Gehege. Im Bereich Kattinger Watt beispielsweise der „Surfsee“ und das „Kattinger Priel Süd“. Beide Gebietspunkte liegen in einer durchgehenden Wasserfläche. Unterschiedliche Beobachter könnten ihre Beobachtungen identischer Individuen aus dem undefinierten Zwischenbereich im jeweils anderen Gebieten eingeben. Eine wissenschaftliche Auswertung ist nicht möglich.

Keine Punktverortung im Gebiet
Für Beobachtungsgebiete gibt es keine Punktverortung. Wenn nun mehrere Beobachter in einem Beobachtungsgebiet unabhängig voneinander Angaben beispielsweise zu Nestern machen, ist nicht nachvollziehbar, ob es jeweils dieselben Nester oder andere sind. In letztem Fall wären die Zahlen teilweise oder vollständig zu addieren. Eine wissenschaftliche Auswertung ist nicht möglich.

Wenige Beobachtungsdetails
Zu Beobachtungen gibt es nur wenige standardisierte Präzisierungsmöglichkeiten. Viele Angaben wie beispielsweise zum Federkleid (Prachtkleid, Schlichtkleid, Übergangskleid, etc.) oder die Anzahl der Brutpaare sind nur als Freitext über das Bemerkungsfeld möglich und damit nicht richtig auswertbar, da bei vielen Beobachter viele unterschiedliche Schreibweisen und Abkürzungen zwangsläufig sind. Eine wissenschaftliche Auswertung ist nur mit Aufwand und wahrscheinlich Nachfragen möglich.

Keine Gebietsdokumentation
Gebietsinformationen beschränken sich bei ornitho auf den Namen und die geografischen Koordinaten. Wichtige Angaben zu Gebietsgröße, Biotoptypen oder Gebietsbilder können nicht gemacht werden. Deshalb ist es nicht möglich, eine Gebietsentwicklung über die Zeit hinweg zu dokumentieren,. Wenn also in einem Gebiet plötzlich keine Rohrsänger mehr beobachtet werden, ist nicht nachvollziehbar, ob sich das Gebiet für diese Vogelgattung negativ entwickelt hat oder die beobachteten Veränderungen externe Ursachen wie beispielsweise Veränderungen im Winterquartier haben. Eine wissenschaftliche Auswertung ist nicht möglich.

Zur tabellarischen Vergleich der beiden Systeme geht es hier!
 
Meine Meinung: Es ist schade, dass objektive Vergleiche selten sind und stattdessen viel Energie in religiös anmutenden Glaubensexkursen verpufft. In anderen Ländern ist man da vorbildlich weiter, freut sich über jeden, der mitmacht und arbeitet zusammen.
Die nun manifestierte Zersplitterung der Szene ist dem gemeinsamen Naturschutzanliegen mit Sicherheit nicht förderlich. Eine Bündelung der Kräfte wäre notwendig gewesen, fehlt doch allenthalben der Nachwuchs!

Die Systemträger sind deshalb nun in der Verantwortung, eine Lösung zu Gunsten des Naturschutzes und auch zu Gunsten der Nutzer zu finden. Ein Datenverbund, der zukünftige Doppelerfassungen überflüssig macht und deshalb den Nutzern eine wirklich freie Systemwahl ermöglicht, würde eine zukunftsträchtige und tragfähige Brücke zwischen Ornithologen und Naturbeobachtern schlagen. In Holland funktioniert das mit waarneming.nl und dutchbirding.com sowie lauwersmeer.com gut.
Wie auch immer: An der Technik wird das sicherlich nicht scheitern, das zeigen uns die Kollegen jenseits der Grenzen!

https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0AksAVuVmxfWfdFdIRUtiODFVRzVFSGpsMXNCc0xCVlE

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