Hohe Tauern: Bartgeier tot! Bleivergiftung!

Bartgeier, immat Foto: Wolfgang Kühn /naturgucker
Ende Januar wurde nahe Matrei in Osttirol, an der Südseite der Hohen Tauern der Bartgeier Nicola verendet aufgefunden. Nicola, im internationalen Projekt zur Wiedereinbürgerung der Bartgeier im Alpenraum mit der Nummer BG138 geführt, ist ein 1991 im Nationalpark Hohe Tauern ausgewildeter weiblicher Bartgeier. Nach einer veterinärmedizinische Untersuchung kennt man jetzt die Todesursache. Bleivergiftung.

Der Leiter der Wildtiermedizin am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Prof. Walter Arnold, kommt heute zu folgender Diagnose: "Die erhobenen Befunde sprechen für eine Bleivergiftung. Die Aufnahme von Blei führt beim Greifvogel zu einer Beeinträchtigung der Blutbildung und einer Schädigung des Nervensystems." In der Leber wurden 25,882 mg/kg, in der Niere 32,160 mg/kg Blei nachgewiesen.

Wie das Blei in die Nahrungskette der Aasfresser kommen kann, ist bekannt und auch in diesem Fall sehr wahrscheinlich, berichtet Nationalpark-Direktor Wolfgang Urban: "Durch konventionelle Bleigeschosse verbleibt je nach Treffer am Wildkörper eine mehr oder weniger starke Kontaminierung mit dem Schwermetall Blei. Gerade Aasfresser besitzen extrem saure Magensäfte, welche das Blei aufschließen." Nicola ist nicht der erste Vergiftungsfall. 2006 wurde an einem Bartgeier und 2011 an drei Gänsegeiern Bleivergiftung diagnostiziert. Die Dunkelziffer ist naturgemäß extrem hoch. Auch die Direktorin des Zoos Salzburg, Sabine Grebner, berichtet, dass immer wieder geschwächte große Greifvögel mit erhöhten Blutbleiwerten im Zoo abgegeben und gesund gepflegt werden.

Nationalparkreferentin Tina Widmann hat schon im Oktober 2011 für die nationalparkeigenen Forschungsreviere, Habachtal in Bramberg und Anlauftal in Bad Gastein mit insgesamt rund 7.000 Hektar Fläche, die Umstellung auf bleifreie Munition angekündigt. Die Dringlichkeit dieser Maßnahme werde auch durch die vielen positiven Reaktionen auf diese Ankündigung bestätigt. "In den Forschungsrevieren des Nationalparks wird ab 1. Jänner 2012 bleifrei geschossen, unsere Berufsjäger werden nun genaue Aufzeichnungen hinsichtlich Ballistik, Schäden an den Gewehrläufen, Nachsuchen, Wildbretzerstörung, etc. führen. Ich sehe diese exakten Aufzeichnungen als eine große Hilfe für ein Umdenken beim Munitionsgebrauch", betonte die Landesrätin.

"Die Aufgabenstellung in diesen Forschungsrevieren ist eine zweifache. Einmal dienen sie im gesamten Schutzgebietsmanagement dazu, weitreichende Entscheidungen auf eine wissenschaftlich und praxistaugliche Basis zu stellen, und andererseits sollen sie eine Vorreiterrolle übernehmen, wenn es um naturschutzrelevante Entwicklungen in der Jagd insgesamt geht", sind Widmann und Urban überzeugt.

"Auch seitens der Jägerschaft wurde und wird insbesondere von den Berufsjägern bleifreie Munition getestet, und es konnten bereits praktische Erfahrungen gesammelt werden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass noch nicht in allen Kalibern eine sichere und waidgerechte Bejagung möglich ist, weshalb seitens der Hersteller noch verstärkt in die Entwicklung investiert werden muss", so Landesjägermeister Josef Eder.

Quelle: Land Salzburg
Salzburger Landeskorrespondenz, 7. März 2012
q50-112

 

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