Jörg Brauneis hat die Quellen, die das frühere Vorkommen des Rothuhn zu im Rheinland belegen, überprüft und einer kritischen Wertung unterzogen. Nach seinen Recherchen ist das Vorkommen des Rothuhn uns im Rheinland "als Wildvogel unwahrscheinlich" und er äußert Zweifel daran, dass das Rheinland jemals zum "natürlichen" Verbreitungsgebiet des Rothuhn gehört hat. In seiner Arbeit, die in der Zeitschrift "Die Vogelwelt" (Heft 132) veröffentlicht wurde, begründet er die Ansicht, dass das Rothuhn als Haustier mit den Römern in das Rheinland kam und dort "während des gesamten Mittelalters und bis in die Neuzeit als Ziervogel gehalten wurde".
Dass es Nachweise von wild ebenden Hühnern am Rhein gibt, führt Brauneis auf entlaufene Ziervögel zurück, die eine Zeit lang in Freiheit überleben konnten. Im Gegensatz zu bestimmten Gegenden in England, Frankreich und Spanien konnten Aussetzungsaktionen, die ab Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgten, keine dauerhafte Ansiedlung des Rothuhn im Rheintal begründen. Brauneis führt das auf das mangelnde Interesse der deutschen Jägerschaft an diesem in Westeuropa sehr begehrten Jagdvogel zurück.
Nach seiner Meinung spielen klimatische Gründe "für das Aussterben gegen Ende des 16. Jahrhunderts und für die Misserfolge späterer Ansiedlungsversuche keine so große Rolle, wie bisher von vielen Autoren angenommen."
Ob sich dies im Rahmen der neuerlichen Klimaerwärmung ändern kann? Darüber macht Brauneis keine Prognosen…
Foto: Conny und Peter Fieger/naturgucker.de
Quelle: BRAUNEIS, J. 2011: Das Rothuhn Alectoris rufa im Rheinland - ausgestorbener Wildvogel oder entflogenes Haustier? Vogelwelt 132: 132-139. |