Das DDT nicht nur direkt schädliche Auswirkung auf Organismen hat, sondern auch empfindlich in Nahrungsketten eingreift, haben jetzt kanadische Forscher am Beispiel des Schornsteinseglers gezeigt. Dieser bedrohte Verwandte unseres Mauersegler musste bedingt durch den Einfluss von DDT auf die Insektengemeinschaft seines Lebensraumes sein Nahrungspektrum ändern. Wie die Forscher herausfanden, dezimierte das Gift die Insekten selektiv. Wanzen wurden häufiger, während Käferarten stark abnahmen. So wurden die Segler gezwungen, mehr fliegende Wanzen zu fressen, diese sind aber nährstoffärmer als Käfer.
Die amerikanischen Schornsteinsegler jagen tagsüber Insekten und verbringen die Nacht in größeren Gemeinschaften an traditionellen Ruheplätzen. Die Forscher untersuchten einen Kothaufen, der sich im Laufe von 50 Jahren an einem solchen Ruheplatz angesammelt hatte. Dieses "Misthaufenarchiv" konservierte die Überreste der gefressenen Insekten als auch das DDT und seine Abbauprodukte. Die Forscher fanden heraus, dass der vermehrte Einsatz von DDT in den späten vierziger Jahren die Käferbeute in der Nahrung der Segler drastisch reduzierte. Während die Käfer besonders empfindlich auf das Insektengift reagierten und viele Arten dramatisch abnahmen, konnten die Wanzen innerhalb weniger Generationen eine Resistenz gegen das Insektizid entwickeln.
Obwohl durch die weltweite Ächtung des Insektengiftes DDT bedingt die Käferüberreste im Kot der Vögel etwas zunahmen, erreichten sie nicht mehr die Mengen wie vor dem Einsatz des ehemals beliebten Giftes. Wie die Forscher in ihrer Studie schreiben, sei das für die Vögel ein erheblicher Nachteil, da Käfer mehr Energie als Wanzen enthalten und für die Segler eine lohnendere Beute sind.
Die Forschungsarbeit der Wissenschaftler um Joseph Nocera von der Trent University im kanadischen Peterborough wurde veröffentlicht im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences"
(doi: 10.1098/rspb.2012.0445) |