"Deutsche" Gänsegeier für Bulgarien
Gänsegeier Foto: W. Kühn/naturgucker.de
Vier in der Stuttgarter Wilhelma geborene Gänsegeier werden im Herbst nach Bulgarien fliegen – mit dem Flugzeug. Dort erwartet sie ein wildes Leben in den Bergen des Balkan. Allerdings hocken zwei der vier noch im Geiernest im Zoo – genauer im Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart "Wilhelma".

In der Geier-Kinderstube in der hohen Voliere unterhalb des Koniferentälchens sitzen seit März dieses Jahr zwei Küken. Je größer die Küken werden und je höher sie ihre Schnäbel über den Horstrand hinaus recken, um an den vorverdauten – aber aus Geiersicht durchaus leckeren – Fleischbrei aus Mamas Kropf zu gelangen, desto besser sind sie für Besucher zu sehen. Das Brutgeschäft beginnt bei den Gänsegeiern in der Regel Ende Januar: Dann legen die Geierfrauen je ein Ei, bebrüten es im Wechsel mit ihren Geiermännern fast zwei Monate lang und ab Mitte März schlüpft pro Paar ein Küken. Das wiegt bei der Geburt rund 200 Gramm und ist anfangs ganz auf die Futterlieferungen aus der elterlichen Kropf-Küche angewiesen. Je älter das Küken, desto weniger nehmen die Eltern ihm die Arbeit durch Vorverdauen ab. Schließlich muss der Jungvogel lernen, später selbstständig große Fleischbrocken zu verschlingen. Den Speiseplan bestimmen bei Geiers ausschließlich tote Tiere – ob im Zoo oder in der Natur.


Im Freiland spielten die riesigen Vögel mit Flügelspannweiten bis zu 2,80 Metern dadurch als „Gesundheitspolizisten“ lange Zeit eine bedeutende Rolle. Kein Aas blieb in ihrem Hoheitsgebiet liegen, sondern wurde von den Geiern noch aus 3000 Metern Höhe geortet, angeflogen und dann „weggeputzt“, was die Ausbreitung von Seuchen wirkungsvoll verhinderte. Doch der Mensch dankte den Bestattungsunternehmern aus der Luft ihren Service schlecht und rottete sie vielerorts aus – beziehungsweise entzog den Geiern durch die Beseitigung von Viehkadavern ihre Nahrungsgrundlage, wie etwa auf der Schwäbischen Alb. Die meisten der rund 20.000 Brutpaare Europas brüten heute in Spanien, zumal dort bis vor einigen Jahren totes Vieh an bestimmten Plätzen noch für sie liegen bleiben durfte. Aufgrund der tierseuchenhygienischen EU-Verordnungen ist es damit heute vorbei, so dass für die Geier der Tisch auch in Spanien nicht mehr reich genug gedeckt ist. Auf der Suche nach Nahrung schwärmen sie in andere Länder aus – doch da es dort nicht anders aussieht, droht ihnen nicht selten der Hungertod.

Auch im Balkan waren die Gänsegeier bis vor etwa 50 Jahren heimisch, dann machten vor allem vergiftete Köder für Wölfe auch ihnen den Garaus. Die Organisation „Balkan Vulture Action Plan“ möchte das Balkanmassiv nun als Heimat für die Geier zurückgewinnen. Bereits 2010 hat sie die ersten 26 Vögel dort wieder in die Lüfte entlassen. Dieses Frühjahr kommen 25 Gänsegeier aus Frankreich dazu und, wenn alles klappt, im Herbst auch vier aus Stuttgart. Zwei aus dem Jahr 2011 und die beiden, die jetzt noch im Jugendflaum im Netz sitzen.

Quelle:
Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
Foto: W. Kühn/naturgucker.de

tgp

Nachrichten
14.05.2013 Erddrossel statt Katze!
09.05.2013 Geier verspeisen Wanderin in den Pyrenäen
09.05.2013 44 Millionen Brutvögel allein in GB verloren!
19.04.2013 Blutiges Geschäft: Wilderer töten jährlich 40 Ranger in Afrika
19.04.2013 "Wasseradler" im Kommen!
18.04.2013 Die Zecken-Saison beginnt wieder! Weniger Blutsauger nach hartem Winter?
16.04.2013 Mondzyklus bestimmt Jagdverhalten von nachtaktiven Möwen
07.04.2013 Gastfreundschaft und tolle Beobachtungen am Schwarzen Meer
03.04.2013  Same procedure: Augen auf, Tõnn kommt!
29.03.2013 Evolution durch Straßenverkehr?
26.03.2013 Naturschutzgebiet „Oberes Rhinluch“ sichert Kranichrastplatz
23.03.2013 Können wir die Wiesenvögel noch retten?
22.03.2013 Reformbeschluss der Agrarminister bringt die Rote Liste und die EU-Profiteure voran
15.03.2013 Rotfußfalken in Ungarn: Erfolgsmodell Nistkasten!
15.03.2013 Wintereinbruch im März: Zugstau, Umkehrzug und Kurioses
13.03.2013 Achtung: Kanadakranich unterwegs!
13.03.2013 Vogelarten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
13.03.2013 Birdnet-Kleinanzeigen: Tolle Angebote!
12.03.2013  Die Not der Gebäudebrüter – wo sind die Spatzen geblieben?
11.03.2013 Brutplatz der Neuseeländische Sturmschwalbe entdeckt