Neun Waldrappe der Generationen 08/09/10 kehrten selbständig aus der Toskana nach Burghausen (Bayern) zurück. Einer dieser Vögel verendete leider nördlich von Burghausen durch Stromschlag. Die übrigen acht Vögel halten sich im Brutgebiet auf. Ein weitere Vogel ist bis nach Friaul migriert und hat sich dort die Hüfte ausgerenkt. Er wurde den restlichen Weg nach Burghausen transportiert. Zuätzlich kam ein Waldrapp selbständig aus Grünau angeflogen. Er stammt aus Burghausen und musste während der menschengeführte Migration 2010 wegen einer Erkrankung an die Freiflugkolonie in Grünau abgegeben wurde. Schließlich sind noch fünf adulte Vögel vor Ort, die wir uns für die Brutsaison 'ausgeliehen' haben und die vor Beginn der Herbstmigraiton wieder in eine Volierenhaltung abgegeben werden. Somit sind aktuell in Summe 15 Waldrappe in Burghausen.

Die Vögel haben drei Nester, in zwei davon sind je drei Küken. Ein weiteres Paar hat erst vor Kurzem mit der Brut begonnen. Wir gehen davon aus, dass diesen Sommer noch weitere Vögel der Generation 2010 nach Burghausen kommen werden. Ein Teil dieser Vögel ist noch in der Toskana, ein Teil bereits nach Norden unterwegs. Zudem sind die Vögel der Generation 2011 noch in der Toskana. Sie sind auf ein zweites Brutgebiet beim Zoo Salzburg geprägt. Nach den Erfahrung des vergangenen Jahres können im Laufe des Juli sogar einige diese einjährigen Waldrappe nach Salzburg zurückkehren. Somit ist der Verlauf der Frühjahrsmigration bislang besser verlaufen als wir uns alle erwartet haben. Es gibt wieder eine erste kleine Brutgruppe selbständig migrierender Waldrappe in Europa! Nun hoffen wir, dass die Jungvögel erfolgreiche aufgezogen werden. Zudem bereiten wir uns bereits auf den Herbst vor um die Verluste an Waldrappen während der Herbstmigration so gering wie möglich zu halten.
Seit 2002 engagiert sich ein Team von Biologen und Piloten für den Schutz und die Erhaltung der Waldrappe. Internationale Bekanntheit hat das Projekt insbesondere durch den Flug mit den Vögeln von Oberösterreich und Bayern bis in die südliche Toskana erlangt.
Waldrappe sind Zugvögel. Die Jungtiere müssen die Zugroute in das Wintergebiet von ihren Eltern lernen. Bei Zoonachkommen müssen Menschen die Jungvögel mit den nötigen Informationen ausstatten. Die bislang einzige Möglichkeit dazu ist, Vögel durch menschliche Zieheltern aufzuziehen und sie darauf zu trainieren, der Bezugsperson in einem Ultraleicht-Fluggerät zu folgen.
In den Jahren 2004 und 2005 wurden erstmals erfolgreich von Menschen geleitete Migrationen von Oberösterreich aus in die südliche Toskana durchgeführt. Seit 2007 befindet sich der Projektstandort in Burghausen, Bayern. Im Spätsommer 2009 startet von dort aus die dritte Migration ins Wintergebiet, dem vom WWF Italien betreuten Schutzgebiet Laguna di Orbetello. Dort werden die Waldrappe dann von WWF-Mitarbeitern beobachtet, sind aber gänzlich auf sich gestellt.
Waldrappe werden in der Regel nach der dritten Überwinterung geschlechtsreif und kehren dann auf der als Jungvogel erlenten Route an ihren Aufzuchtort zurück, um dort zu brüten. Die von Menschen geleitete Migration ist Teil einer Machbarkeitsstudie auf Grundlage der internationalen Wiederansieldungsrichtlinien (IUCN Reintroduction Guidelines). Wir betreiben Grundlagenforschung zur Migrationsphysiologie und zur Ökologie der Waldrappe.
Der bisherige Verlauf des Projektes gibt Grund zur Hoffnung, dass Waldrappe wieder in Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes angesiedelt werden könnten. Derzeit sind Projekte mit Partnern in Marokko, Syrien und der Türkei in Vorbereitung.
Rext und Fotos: Waldrappteam -- www.waldrapp.eu |