Am 19. Juni wurden alle sieben Waldrappe von Duccio Centili, einem WWF Mitarbeiter, wieder in der Laguna di Orbetello gesehen, fliegend und auf einem Zaun sitzend. Am 23. Juni wurden sie wiederum gesichtet. Diesmal etwas außerhalb des Schutzgebietes vom regionalen WWF Mitarbeiter Pietro Labate.
Damit hat die Reise der Waldrappe ein überraschendes und positives Ende gefunden. Am 20. Mai wurden die Vögel letztmalig in der Lagune gesehen. Am 30. Mai sichtete eine Frau aus Fiesso d’Artico nahe Venedig die Vögel. Sie berichtet von sechs Vögeln und sie im Detail beschreiben mit langem roten Schnabel, hellen Kopf (den junge Waldrappe haben) und schwarzem Gefieder. Am 6. Juni kam dann die nächste Meldung von einem Oberösterreichischen Ehepaar, das schon wiederholt Waldrappe in Oberösterreich gesehen hatte. Sie beobachteten eine Formation von sechs bis acht Vögeln, die nördlich von Lignano die Autobahn in südlich Richtung querten. Die Vögel flogen tief in Formation und waren gut zu sehen. Wieder konnten die Vögel im Detail stimmig beschrieben werden.
Den Meldungen zufolge sind die Waldrappe der Migrationsroute für zumindest 650 Kilometer nach Norden gefolgt, bevor sie wieder umgekehrt und zurück zur Lagune geflogen sind. Zur Zeit der Sichtung nördlich von Lignano war über Österreich ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet. Möglicherweise hat das Schlechtwetter die Vögel dazu bewogen, nicht in die Alpen sondern wieder zurück nach Süden zu fliegen.
Das Verhalten ist nicht ungewöhnlich. Es ist von verschiedenen Vogelarten bekannt, dass die Jungvögel nicht ins Brutgebiet zurückfliegen sondern entweder bis zur Geschlechtsreife im Wintergebiet bleiben oder aber sich entlang der Migrationsroute bewegen, ohne ins Sommergebiet zu kommen. Überraschend ist lediglich die große Distanz, die unsere Waldrappe dabei zurücklegten.
"Der unbeschadet überstandene Ausflug ist ein großer Fortschritt im Rahmen unseres Projektes. Die Vögel haben bewiesen, dass sie sich die Migrationsroute merken und sie in beide Richtung befliegen können. Zudem haben die Vögel auch bewiesen, dass sie Distanzen bis zumindest 1300 Kilometer selbständig und unbeschadet bewältigen können und dass sich Waldrappe in Italien auch außerhalb von Schutzgebieten längerfristig ohne Verluste aufhalten können. Es gilt jetzt nur noch abzuwarten, ob die Vögel mit Erlangen der Geschlechtsreife in das Sommergebiet zurückkehren. Wir sind mit gutem Grund optimistisch!", so Sprecher des "Waldrappteams" in Mutters, Österreich.
Die Vögel sollen kurzzeitig in eine Voliere gebracht werden, um sie von einem Veterinärmediziner untersuchen zu lassen und mit neuen Telemetriesendern auszustatten. Dann werden sie wieder frei gelassen. Es wird davon aus gegangen, dass sie vor Ort bleiben, bis in gut zwei Monaten weitere Vögel mit menschlicher Begleitung über die Alpen fliegend in die Lagune kommen.
Quelle: www.waldrappteam.at |